Rundgang durch Hammelbach

Hier die neuste Version zum Ausdruck: Rundgang A4 4-seitig 2015

Stippvisite, Rundgang,  Ortsrundgang

durch den historischen Centort Hammelbach

Die Beschreibung der Stippvisite, vom Rundgang und vom Ortsrundgang beginnt und endet auf dem Naturpark Parkplatz Marktplatz im Ortszentrum.

– Mit der Stippvisite erreichen Sie in 20 Minuten Gehzeit die Besichtigungspunkte 1. bis 12.

– Beim Rundgang werden an die Stippvisite 5 weiteren Besichtigungspunkte angehängt. Es werden bei insgesamt ca. 40 Minuten Gehzeit die Besichtigungspunkten 1 bis 12 und 16.1, 16, 17, 20, und 21 nacheinander abgegangen.

– Beim Ortsrundgang wird der Rundgang durch 3 Erweiterungen zu 8 weiteren Besichtigungspunkten verlängert. Es werden alle Besichtigungspunkte in aufsteigender Reihenfolge von 1. bis 24. abgegangen. Die Gehzeit beträgt insgesamt ca. 1 Stunde und 20 Minuten.

– Beim anklicken der Überschrift einer Sehenswürdigkeit wird die entsprechende Bildseite aufgeschlagen.

00. Hammelbach

Wir beginnen immer mit der Stippvisite

Gastronomie: Direkt am Marktplatz das “Cafe am Markt” und das Gasthaus “Zur Krone”.

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Das Restaurant und Metzgerei „Zum Ochsen“ (wird zur Zeit renoviert) und die Gaststätte „Thaihaus Hammelbach“ erreichen Sie am Marktplatzbrunnen vorbei entlang der Ortsdurchfahrt in südwestlicher Richtung. Nach ca. 50 Meter halten wir uns an der Volksbank rechts und zweigen dort in die Schulstrasse ab. Nach wenigen Schritten erreichen Sie dann das Restaurant und Hotel mit Metzgerei “Zum Ochsen” (zur Zeit geschlossen).

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01. Rathaus / Marktplatz

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Hammelbach war im Mittelalter Marktflecken und Centort der Hammelbacher- oder Aicher-Cent. Heute ist Hammelbach der Verwaltungssitz der Gesamtgemeinde Grasellenbach.

Das jetzige Rathaus mit Brunnen wurde in seiner Grundform 1962 eingerichtet. Der Anbau zum Marktplatz hin wurde 2000 eingeweiht. Im Rathaus befindet sich auch die Tourist Information und im Hintergrund des Marktplatzes steht ein Ortsplan. Vor 1962 diente das Gebäude als Zigarrenfabrik. Zu dieser Zeit stand quer vor dem heutigen Südgiebel das alte Rathaus. In ihm war früher die Schule untergebracht.
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02. Marktplatzbrunnen

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Der Marktplatzbrunnen ist aus Teilen alter Hammelbacher Brunnen zusammengesetzt und wurde 1962 bei der Neugestaltung des Marktplatzes in dieser Form errichtet.

Bis zum Jahre 1909 erfolgte die Wasserversorgung in Hammelbach nur durch Laufbrunnen, die durch Quellen am Ortsrand gespeist wurden. Das Wasser wurde in sogenannten Brunnenstuben gesammelt und durch Holzleitungen ( Dolen ) zu den Brunnen geleitet. Die Brunnenstube für den Marktplatzbrunnen liegt im Weschnitzquellenweg in der Wiese hinter dem evangelischen Pfarrhaus. Sie ist die letzte Brunnenstube der ehemaligen Hammelbacher Wasserversorgung, welche noch intakt ist.

Ehemals gab es in Hammelbach 6 Laufbrunnen, wovon der bekannteste der Löwenbrunnen am “Scharfen Eck” im Riebig war. Er stand bereits um die Jahrhundertwende unter Denkmalschutz. Die Löwenskulptur ging jedoch nach der Einführung der Wasserleitung und dem Abbruch vieler Laufbrunnen verloren.


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03. Motorradmuseum

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Das Motorradmuseum von „Zweirad Röth“, gegründet 1873 in Hammelbach, ist im Firmengebäude der Firma neben der Volksbank untergebracht. Es werden alte Motorräder ab 1925, Uhrkunden, Schriftwechsel mit der Fa. Opel in Rüsselsheim von 1899, als diese noch Fahr- und Motorräder baute, und z.B. das Moto-Guzzi-Gespann gezeigt, mit dem Fritz Röth in seiner aktiven Sportfase den inoffiziellen Gespann-Weltrekord auf der Strecke Hamburg-Wien (12 Stunden 25 Minuten) erzielte. Weiterhin viele Schnittmodelle, Rennmaschinen von Ducati und mehr.

Geöffnet ist das Museum:
Sa., So. u. Feiertags
von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 13.00 bis 15.00 Uhr.
Mo. – Fr. nach rechtzeitiger Anmeldung, Tel. 06253-932984 (Herbold) oder Tel. 06253-9412101 (Fa. Zweirad Röth), Fax 06253-9412306 (Zweirad Röth). von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 13.00 bis 15.00 Uhr.

Wir gehen auf der Ortsdurchfahrt am Rathaus vorbei in Richtung Westen und zweigen sogleich bei der Volksbank nach rechts in die Schulstrasse ab. Nach ca. 100 Meter erreichen wir rechter Hand die Metzgerei und Hotel „Zum Ochsen“.
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04. Staffel03_Staffel_05_IMG_Kopie

Wir beachten an diesem Haus die sehr hoch hinauf führende Sandsteintreppe, bei der einzelne Trittstufen für die Befestigung des Geländers länger ausgeführt sind.

Da früher feuchtigkeitssperrende Trennschichten im Hausbau nicht bekannt waren, wurde das unterste Wohngeschoss so hoch über das Erdreich gebaut, dass keine Feuchtigkeit mehr bis dorthin gelangte. Durch Kapillarwirkung in den Steinen und im Mörtel kann die Erdfeuchtigkeit bis zu 1,50 Meter hoch aufsteigen. Wer also sicher sein wollte, dass seine Wohnräume trocken bleiben, baute einen hoch herausragenden Keller, und bis zum Wohngeschoss führte dann die für den Odenwald typische Steintreppe, auch Staffel genannt.

Ebenfalls beachtenswert ist die kreisrunden Einfassungen der beiden Kellerfensters und die bogenförmige Einfassung der Kellertüre aus Sandstein.

Wir gehen auf der Strasse noch ca. 150 Meter weiter und gelangen zu dem auf der linken Seite stehenden Fachwerkhaus Nr. 20 mit einer kleinen zweiläufigen Treppe davor, das Zentschultheissenhaus.
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05. Zentschultheissenhaus

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Dieses stattliche und schmucke Fachwerkhaus wurde im Jahre 1802 vom Zentschultheissen der Aicher Cent, Franz Querdan, erbaut und steht seit 1989 unter Denkmalschutz. Das Haus bezeugt mit seinem Ausseren den Wohlstand seines Erbauers. Es hat eine bewegte Geschichte hinter sich. So befanden sich hier zeitweise eine Gastwirtschaft ( Zur Sonne ), die katholische Schule, eine Bäckerei, ein Lebensmittelgeschäft, eine Schnapsbrennerei und eine Arztpraxis unter seinem Dach.

Im Sockel rechts auf der Frontseite des Hauses, befindet sich der Grundstein mit dem Innungszeichen des Bäckerhandwerks.

Das Gebiet der pfälzischen Ländereien war in Zenten eingeteilt, die gewisse kommunale Eigenständigkeit und Selbstverwaltung hatten. Dazu gehörte auch die unterste Gerichtsbarkeit. Für die Verwaltung einer Zent wurden von den pfälzischen Landesherren die Zentschultheisse eingesetzt und mit besonderen Rechten ausgestattet. In Hammelbach hatte er unter anderem Brauereirecht und war Dorfschullehrer.
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06. Haus Aicher Cent06_Haus_Aicher_Cent_03_Kopie

Das “Haus Aicher Cent”, ist heute das Dorfgemeinschaftshaus von Hammelbach. Es umfasst einen Festsaal, die Gaststätte “Thaihaus Hammelbach” mit Kegelbahn, Biergarten, einen Sitzungsraum für die gemeindlichen Gremien, ein Versammlungsraum für die Kerwejugend und Räumlichkeiten für die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsgruppe Hammelbach.

Das „Haus Aicher Cent” war zuvor die Hammelbacher Schule, die durch den Bau der Mittelpunktschule im Ortsteil Wahlen ihre Funktion verlor. Nach einem Brand wurde das Gebäude 1976 bis 1979 umgebaut und ein Seitenflügel als Festsaal angegliedert.

Die Cent war ein Gerichts- und Verwaltungsbezirk. Zur Hammelbacher Cent oder Aicher Cent gehörten die Ortschaften Affolterbach, Gras-Ellenbach, Scharbach und Wahlen sowie die Olfener Höfe. Der Gerichtsort befand sich zwischen Scharbach und Litzelbach an einer grossen gefehlten Aiche ( ein mehrstämmiger Eichbaum ), davon die Cent ihren Namen hat. Der Galgen bzw. Richtplatz befand sich links oberhalb der Strasse von Hammelbach nach Wahlen, hinter dem Abzweig nach Unterscharbach. Litzelbach hingegen war kurmainzisch und somit der Mainzer Cent Absteinach zugehörig. Das Gebäude “Aicher Cent” wurde 1902 als Schulhaus erbaut und dient seit 1978 als Dorfgemeinschaftshaus.

Wir gehen links neben dem Haus “Aicher Cent” vorbei nach oben und erblicken sogleich das kleine historische Backhaus.
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07. Historisches Backhaus

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Dieses Backhaus stand bis 1987 ca. 6 km nördlich von Hammelbach bei einem Bauernhof in der Ortschaft Ober-Ostern. Erbaut wurde es ursprünglich 1766 und bis in die 50er Jahren war es noch in Benutzung.

Als der Odenwaldklub Hammelbach erfuhr, dass dieses Häuschen einem Hühnerstall-Neubau zum Opfer fallen sollte, beschloss er die Versetzung des Bauwerkes. Das Backhaus wurde komplett mit Backofen abgebaut und in dreijähriger Bauzeit originalgetreu am heutigen Standort wieder aufgebaut. Die grosse Mühe hat sich gelohnt, denn es ist wieder voll funktionsfähig und ein wahres Schmuckstück geworden. Es bildet zusammen mit dem Haus “Aicher Cent” den historischen Rahmen für Brauchtum und Heimatfeste.

Der Odenwaldklub Hammelbach hält mehrmals im Jahr Veranstaltungen ab, bei denen das Innere besichtigt und der Backofen im Betrieb zu sehen ist.

Hier auf der Rückseite des „Aicher Cent“ finden wir auch unter einem grossen Vordach Unterschlupf bei einem Regenschauer.

Wir gehen wieder zurück auf die Schulstrasse und wenden uns dort nach rechts. Wir stehen damit direkt vor der ev. Kirche.
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08. Evangelische Pfarrkirche

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Wie auf einer Insel steht die evangelische Kirche auf der von links einmündenden und sich aufteilenden “Gasse”.

Unter dem Pfälzer Kurfürsten Friedrich III. wurde zwischen 1556 und 1560 die Reformation in der Pfalz durchgeführt und die reformierte Kirchengemeinde von Hammelbach erhielt die vorhandene Zentkirche (die heutige Kapellenruine) als Eigentum. Unzulängliche Ausbesserungsarbeiten sorgten für baldigen beginnenden Verfall. Die notwendige Renovierung unterblieb auch dann noch, als 1685 die pfälzische katholische Neuburger Linie an die Regierung kam und die Kirche 1705 bei der Pfälzer Kirchenteilung, wieder an die katholischen Gemeindeglieder abgegeben werden musste. So gingen ab 1739 die Katholiken von Hammelbach in die neu erbaute katholische Kirche nach Waldmichelbach.

Die Evangelischen bauten deshalb 1712 eine kleine Holzkirche. Als die Holzkirche baufällig war, wurde im Jahre 1802 unter Pfarrer Gottjer, die heutige Kirche als schlichten Hallenkirche im frühklassizistischen Stil errichtet. Dem damaligen Kirchweihdatum am 26. September entsprechend, wird auch heute noch die Hammelbacher “Kerwe” am 3. Wochenende im September begangen. Auf einen Turm verzichtete man bewusst und die Glocken sind in einem Dachreiter untergebracht.

Aus der kleinen Holzkirche wurde die um 1780 entstandene Kanzel im Louis-Seitz- oder Zopfstil übernommen und stellt eine besondere Kostbarkeit dar. Mit der Kirchenreparatur 1839 sind die beiden Flügelemporen eingebaut worden. Zur 150 Jahrfeier 1952 erfolgte eine Neuverglasung der Kirchenfenster aus farbigem Antikglas. Die Fenster im Altarraum stellen 16 Symbole aus dem sogenannten christlichen Alphabet dar. Zwölf dieser Symbole betreffen das Leben und Leiden Christi.

Wir gehen rechts neben der ev. Kirche die Rampe zu hoch, und gelangen durch das Eisengittertor zur got. Kapellenruine.
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09. Gotische Kapellenruine

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Wir befinden uns auf dem alten Teil vom Friedhofsgelände mit der gotischen Kapellenruine. Das noch erhaltene Sandstein-Fenstermasswerk und die aus den Raumecken aufsteigenden Gewölbeanfänger beeindrucken durch ihre schlichte Schönheit und machen deutlich, dass wir hier ein mittelalterliches Kleinod vor uns haben.

Die ehemalige Ausdehnung der Zentkirche können wir am Verlauf der Blutberberitzen-Hecke bis zu dem westlich gelegenen Kriegerehrenmal ausmachen.

Erbaut wurde die Kirche wahrscheinlich unter Pfalzgraf Ruprecht I., nachdem er 1353 die Regierungsgeschäfte übernahm. Auf Grund der Bauausführung ist anzunehmen, dass um 1400 eine Erweiterung um den heute noch erhaltenen Chorraum erfolgte.

Zwischen 1556 bis 1560 wurden die Pfälzer reformiert und aus dem katholischen Gotteshaus wurde ein reformiertes Gotteshaus. Schon 1587 seien Ausbesserungsarbeiten dringend notwendig geworden. Unzulängliche Reparaturen sorgten für schnellen Verfall. In der Pfarrchronik von 1613 heisst es, dass kein eigenständiger Pfarrer in Hammelbach war. führte die Religionsfreiheit ein.

Eine völlige Renovierung unterblieb auch dann noch, als 1685 die pfälzische katholische Neuburger Linie an die Regierung kam und die Religionsfreiheit einführte. Nach der Kirchengütertrennung im Jahre 1705 erhielten die Katholiken wieder die Hammelbacher Zentkirche zugesprochen. Sie diente den Gläubigen vom ganzen Überwald (Ulfenbachtal bis unterhalb Waldmichelbach) als Gotteshaus. Da zu dieser Zeit nur 3 katholische Familien in Hammelbach waren und keine eigene Pfarrstelle besetzt war, sind die notwendigen Reparaturen unterblieben und die gotische Kapelle zerfiel. Das Mauerwerk wurde grösstenteils abgetragen und für den Bau umliegender Häuser verwendet.

Beim Bau der neuen katholischen Kirche 1912/13 stellte die Gemeinde Hammelbach den Baugrund zur Verfügung und die gotische Kapellenruine ging dafür in ihren Besitz über. Restaurierungsarbeiten wurden erstmals 1961 vorgenommen und 1983 weitergeführt.

Oben auf dem alten Gemäuer trotzt seit Menschengedenken eine Krüppelkiefer Sturm und Trockenheit. Ihre Existenzgrundlage ist so gering, dass man seit über 100 Jahren kein Wachstum mehr bemerkt. Sie, und ihre jüngere Schwester auf der anderen Seite der Chormauer, sind als “Die beiden Krüppelkiefern auf dem Kapellenkörchen der Hammelbacher Kapellenruine” unter Denkmalschutz gestellt.

Wir gehen weiter aufwärts zum Friedhof, durch die Birkenallee, bis wir auf der rechten Seite ein ca. 12 Meter langes Grab erblicken.
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10. Grablege der Pfarrfamilie Bus

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Wilhelm Bus ( 1818 – 1895 ) war Pfarrer in Hammelbach von 1848 bis 1894. Ebenso dessen Sohn Florus ( 1864 – 1911 ), der von 1894 bis 1911 hier tätig war. Florus Bus, der neben seiner Mutter Laurette ( 1826 – 1910 ) begraben liegt, hatte insgesamt 15 Geschwister, 12 Mädchen und 3 Jungen. Durch eine umfangreiche Bildung im Elternhaus war ein Teil der weiblichen Familienmitglieder als Erzieherinnen im Ausland tätig. Sie kehrten aber allesamt im Alter wieder nach Hammelbach zurück. Heute ist die Grablege, in der 15 der 16 Kinder von Pfarrer Wilhelm Bus bestattet sind und ausser Florus Bus keines verheiratet war, unter Denkmalschutz gestellt. Sie dient so als Erinnerungsstätte an eine der prägendsten Hammelbacher Pfarr-Familie.

Ein paar Schritte neben der Grabreihe seiner Kinder liegt der Vater Wilhelm Bus ( das Grab mit der kleinen Eisengitterumrandung ), daneben Gattin Laurette mit Sohn Florus. Der 4. Sohn ist in Didlaken / Ostpreußen begraben

Wir gehen wieder zurück zur Schulstrasse, wenden uns nach rechts und achten auf die beiden Nischen in der Stützmauer.
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 11-1 Kerwepfarrer Denkmal

Direkt neben der ev. ref. Kirche, auf der linken Seite von unserer Wanderstrasse, entdecken wir in der kleinen Anlage das Standbild des Hammelbacher Kerwe-Pfarrers.

Aus Anlass des 200 jährigen Kirchweihjubiläums der nebenstehenden Kirche wurde dieses Denkmal 2002 bei der traditionellen Kerwe (Kirchweihfest) feierlich enthüllt.

Es stellt den Kerwepfarrer in seiner “Amtstracht” dar, Zylinder und Gehrock mit Fliege. Mit der rechten Hand hält er das Manuskript mit seiner Kerwepredigt. Er ist die Symbolfigur der Hammelbacher Kerwe. Die Kerwepredigt ist die Attraktion im Anschluss an den Kerweumzug am Kerwe-Sonntag. Im Festzelt trägt  er die Kerwepredigt vor, in der er im Stile einer Fastnacht-Büttenrede, das Dorfgeschehen in Versform glossiert. Die Motivwagen des Kerweumzuges haben ebenfalls das Dorfgeschehen zum Thema.

Das Schild im Standfuss des Denkmales beginnt im Dialekt mit dem oft verwendeten Anfangssatz vieler Kerwepredigten. Hochdeutsch lautet der Text etwa: “Ihr lieben Leut(e) – es ist wieder einmal soweit:
Wir haben Hammelbacher Kirchweih(fest)-Zeit!”

Weiterhin wird der Anlass und die Initiatoren für die Aufstellung des Denkmals gewürdigt.

Die Kerwejugend ist der Organisator des Kerwefestes und die Gestalter der Motivwagen für den Kerweumzug. Sie gräbt die Kerwe am Freitag Abend nach dem Gottesdienst aus und beerdigen sie am Montag pünktlich zur Mitternacht wieder.

Rechts daneben, auf dem Stein mit den  kleinen Tafeln, sind aus den vergangenen rund 100 Jahren die Namen der vergangenen Kerwepfarrer festgehalten, soweit sie noch bekannt waren. Überwiegend steht auch noch deren Hammelbacher Spitznamen dabei.

Die Hammelbacher Kerwe findet jeweils im September an dem Wochenende statt, das dem historischen Kirchweihdatum am 26. September 1802 am nächsten gelegen ist ( 3. oder 4. Wochenende ).
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11. Centgefängnis mit Pranger

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Direkt neben der evangelischen Kirche, auf der rechten Seite von unserer Wanderstrasse, sind zwei gewölbte Nischen zu erkennen die eine besondere Geschichte haben.

Die beiden bogigen Gewölbeeinlassungen dienten der Hammelbacher Cent (Aicher Cent) als Haftzellen. Man fand bei der Freilegung dieser Gewölbe in den Jahren 1865 und 1925 Halseisen und Handschellen. Auf diesen Strafutensilien soll die Inschrift gestanden haben “Oben die Toten, unten die Lebendigen”, was in diesem Fall ja richtig ist, denn oberhalb dieser Stützmauer befindet sich der Friedhof, darunter das Gefängnis. Der Stützpfeiler zwischen den Gewölben diente als Pranger.

Zur Zeit der Benutzung war das Niveau der Strasse noch tiefer und natürlich waren die Gewölbe mit einem stabilen Eisengitter gesichert.

Zwischen den beiden Wölbungen, am schrägen Stützpfeiler war der Pranger, an dem leichte Vergehen, wie Gerüchte erfinden und kleine Betrügereien, durch zur Schau stellen des Übeltäters oder der Übeltäterin angeprangert wurden.

Nochmals wenige Schritte weiter, mit dem ersten Haus auf der rechten Seite nach dem Centgefängnis, erreichen wir das ehemalige Pfarr- und Schulhaus, Schulstrasse Nr.31
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12. Ehemaliges Pfarr- und Schulhaus

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Es diente wahrscheinlich noch zur Zeit der Nutzung der gotischen Kapelle als Pfarrhaus und dürfte Ende des 18. Jahrhundert erbaut worden sein. Die Pfarrer hatten gleichzeitig noch den Beruf des Lehrers auszuüben, so dass in diesem Haus gleichzeitig lange Jahre auch der Schulsaal untergebracht war. Da die Räumlichkeiten sehr beengt waren und der damalige Pfarrer Scherer (1818 – 1826) von der Gemeinde keine räumliche Unterstützung erhielt, setzte er die Schule samt Inventar kurzerhand auf die Strasse. Die Gemeinde war gezwungen sich nach einem neuen Schulgebäude umzusehen und erwarb die Hube am heutigen Standort des Rathauses.

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13. Museum für alte Läden und Reklame

Eine besondere Zeitreise bietet das private Museum für historische Reklame und alte Läden. Gehen Sie auf eine nostalgische Reise durch die Einkaufs- und Werbekultur des vergangenen Jahrhunderts – weit entfernt von dem Überfluss der heutigen Zeit.

Gezeigt werden vier originale Läden von 1900 bis in die 60er Jahre, hunderte originale Artikel und zahlreiche Emaille-Reklameschilder aus dieser Zeit in historischem Ambiente.

Die Stippvisite der Hammelbacher Sehenswürdigkeiten ist damit beendet. Wir gehen auf dem gleichen Weg wieder zurück.

Für den Rundgang müssen wir nun eine Kehrtwendung machen und sogleich vor der evangelischen Kirche rechts hinunter die Strasse gehen. Nach ca. 100 Meter stehen wir vor dem Löwenbrunnen auf der Ulfenbachbrücke. Bitte lesen Sie dazu weiter unter “16-1. Löwenbrunnen”

Wenn wir die 1. Erweiterung zum Ortsrundgang anhängen wollen, gehen wir die Schulstrasse immer geradeaus weiter. An einer Gabelung halten wir uns links auf der hier beginnenden Rimbacher Strasse, bis wir nach insgesamt ca. 400 Meter Wegstrecke, auf der linken Seite zwischen den Büschen einen Bildstock erblicken.
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14. neugotischer Bildstock

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Links neben der Strasse, gegenüber dem Haus Nr.17 steht ein reich verzierter, vermutlich neugotischer, Bildstock. Er ist überreich mit gotischen Schmuckformen verziert. Der spitzwinklige Giebel ist mit sogenannten “Krabben” bestückt. Im Giebel ist in einem kreisförmigen Medaillon das Lamm eingehauen. Auf der Spitze des Giebels und an den Traufen sind “Fialen” angebracht, die im Abschluss mit Kreuzblumen bestückt sind.

Im Mittelpunkt des Bildstockes ist eine vergitterte Nische mit der Figur des “Guten Hirten”. Umrahmt ist die Nische durch ein gotisches Fenstermasswerk mit geschlossener Rosette. Im Fuss des Bildstockes ist der Spruch eingehauen:

Der Herr sei unser Hirt,
er führe alle die vorübergehen,
auf gute Wege.

Ein wahrhaft passendes Wort für alle Wanderer und Spaziergänger.

Aber wie kam der Bildstock hier an diese Stelle, passt er doch so gar nicht in die Reihe der Odenwälder Bildstöcke.

Der Kirchenmaler Eugen Heller aus Mannheim hatte sich kurz vor dem Kriege hier in der Rimbacher Strasse ein kleines Anwesen gekauft. Nach dem Kriege war er und der katholische Pfarrer von Hammelbach Dr. Bang-Kaub, der Denkmalpfleger der Diözese Mainz war, an der Restaurierung des romanischen Kaiserdomes in Speyer beteiligt. Der Dom wurde damals von stilfremden Teilen befreit. Unser schöner Bildstock fiel ebenfalls der Säuberung zum Opfer. Eugen Heller und Pfarrer Bang-Kaub brachten ihn nach Hammelbach und Heller stellte ihn, gegenüber von seinem Anwesen, auf seinem Grundstück auf.

Wir gehen die Strasse immer noch weiter, bis wir nach ca. 150 Meter links im Garten ein Sandsteinrad in einem gebogenen Sandsteintrog sehen.

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15. Apfelquetsche und Apfelpresse

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Gleich links neben dem Strassenrand ist in einem Grasgartenstück ein bogenförmiger Sandsteintrog mit einem Sandsteinrad und ein viereckiger Sandsteinbehälter mit einem metallenem Spindelrad zu sehen.

In den bogenförmigen Trog wurden Äpfel, manchmal auch Birnen, eingefüllt und das Sandsteinrad so lange hin und her gerollt, bis die Äpfel zerquetscht waren. Geführt wird das Sandsteinrad durch den in seiner Mittelachse befestigten Holzstamm, der im Radiuszentrum des bogenförmigen Troges drehbar befestigt und gelagert ist.

Der so gewonnene Apfelbrei wurde in die nebenstehende viereckige Kelter gefüllt, die mit durchlöcherten Bretter ausgeschlagen war. War der Kelterbehälter voll, kamen Bretter und Balkenstücke von oben auf die Apfelbreifüllung. Die Kelter stand vor einem grossen Baum, in dessen Stamm ein Loch gehauen war. Ein langer Balken wurde in das Loch gesteckt und über die Kelter auf die Balkenstücke geführt. Auf das weit über die Kelter hinausragende Ende des Balkens wurden auf dort angebrachten Brettern schwere Steine gelegt. Zusätzlich hängte man sich selbst noch mit seinem Körpergewicht an dieses Balkenende. Mit Hilfe dieses langen Balkenhebels und dem Gewicht der Steine und seines Körpers quetschte man den Apfelbrei aus. Aus einer kleinen Öffnung in der Kelter rann der süsse Apfelmost in einen bereitgestellten Eimer. Der vergorene Apfelmost ist dann das Odenwälder Nationalgetränk, der Apfelwein.

Eine solche Kelter nannte man eine Baumkelter. Später wurde in diese Kelter eine Metallspindel eingebaut um die Arbeit einfacher und leichter zu gestalten. Die Kelter war bis 1950 in Betrieb und ist noch funktionsfähig.

Wir gehen auf der Strasse noch ca. 100 Meter weiter bis zu einem kleinen freien Platz. An diesem zweigt eine Strasse nach links ab und eine kleine Brunnenanlage steht links am Fusse des Bergabhanges.
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16. Ulfenbachbrunnen

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Die Ulfenbach entspringt in der Krummwiese und mündet bei Hirschhorn in den Neckar. Sie ist namensgebend für das hier beginnende Ulfenbachtal.

Seine Quelle liegt ca. 500 Meter über dem Meeresspiegel. Nach Überwindung von 385 Höhenmeter mündet er nach ca. 27 Kilometer bei Hirschhorn in den Neckar. Sein mittleres Gefälle beträgt ca. 1,4 Zentimeter je Meter Bachlauf.

Der Ulfenbach bildet mit seinen Nebenbächen für das Gebiet des Überwaldes die natürliche Entwässerung zum Neckar hin. Im Unterlauf wird der Ulfenbach auch Laxbach genannt.

An diesem beschaulichen Ort mit dem leisen Plätschern des Wassers laden 2 Ruhebänke zur Rast ein.

Zur Fortsetzung des Ortsrundganges müssen wir umkehren und zurückgehen, bis wir direkt vor der evangelischen Kirche nach rechts in die Strasse abbiegen. Etwa 100 Meter nach der ev. Kirche stehen wir vor dem Löwenbrunnen auf der Ulfenbachbrücke.
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17. Löwenbrunnen

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In Hammelbach gab es ehemals 8 Laufbrunnen, an denen man das Trinkwasser in Eimern und Bottichen holte. Erst im Jahre 1908 wurde in Hammelbach der schon lange geplante Bau der Hochbehälter und der Trinkwasserleitung durchgeführt.

Das neue Leitungswasser wurde aber von den Hammelbachern nicht angenommen und boykottiert. Die beiden Hauptgründe waren die Kosten für das Wasser aus der Leitung und die strikte Ablehnung durch den allseits beliebten Pfarrer Florus Bus, der kein eingesperrtes Wasser trinken wollte.

Um die Einwohner zu zwingen, die Wasserleitung zu nutzen, wurden per Dekret alle Laufbrunnen in Hammelbach beseitigt. Hierbei wurde auch auf den künstlerisch hochwertigen, und wegen der Besonderheit des Löwen auf dem Brunnenstock, unter Denkmalschutz stehenden Löwenbrunnen, absolut keine Rücksicht genommen. Er stand am Scharfen Eck und wurde von der Weschnitzquelle über Holzdolen gespeist. Die Löwenskulptur wurde auf dem Speicher der ev. Kirche gelagert und geriet praktisch in Vergessenheit.

Bei einer Kirchenrenovierung in den Dreissigern wurde die Löwenskulptur von dem Kirchenmaler Velte entdeckt und nach Darmstadt gebracht um sie museal zugänglich zu machen. Darmstadt wurde im 2. Weltkrieg massiv zerstört, und offensichtlich auch die Hammelbacher Löwenskulptur. Dies ist jedenfalls das Ergebnis der Bemühungen von dem Heimatkundler und Hammelbacher Lehrer Hans Schmitt in den Sechziger Jahren.  Bestätigt hat sich dies dann entgültig bei den in den Achzigern und Anfang der Neunziger Jahren erneuten Bemühungen von Hans Schmitt und dem späteren Bürgermeister Markus Röth.

An Stelle einer Jubiläumsfeier, stiftete der Hammelbacher Verkehrverein zu seinem 50-jährigen Jubiläum im Jahre 2003 einen neuen alten Löwenbrunnen. Er wurde in Anlehnung an eine in den Fünfziger Jahren vom ehemaligen Hammelbacher Strassenwart Keil erstellte Zeichnung angefertigt.

Der 1908 erbaute Hochbehälter in der “Rais” am Ende der Rimbacher Strasse, versorgt heute nur noch das Hammelbacher Freibad und den neuen alten Löwenbrunnen. Auf der daneben stehenden Bank  hat man eine schöne Sicht auf den Brunnen und ins Ulfenbachtal. Hier an diesem beschaulichen Ort kann man seinen Gedanken über die ehemalige Hammelbacher Brunnenromantik nachgeben.

Für die Fortsetzung des Rundganges oder des Ortsrundganges gehen wir die Gasse weiter. Nach ca. 100 Meter sehen wir links ein Sandsteinhaus mit einer auffälligen zweiläufigen ornamentverzierten Sandsteintreppe. Siehe dazu unter Sehenswürdigkeiten in Hammelbach „18. Ornament-Sandsteintreppe“.
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18. Ornament Sandsteintreppe

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Auf der linken Straßenseite rückt ein aus Sandstein erbautes Bauerhaus mit der Nr. 12 in unser Blickfeld, das eine doppelläufige, ornamentverzierte Sandsteintreppe hat. Sie ist eine der schönsten Sandsteinhauer-Arbeiten von den Hammelbacher Steinmetzen und steht unter Denkmalschutz.

Das viereckige Sandsteinbild mitten in der Brüstung ist das Handwerkszeichen der Steinmetze. Es wurde vor gut 210 Jahren 1782 angefertigt. Hier sind die typischen Werkzeuge des Steinmetzen abgebildet, Spitzfläche, Winkel, Grönel, Handfeustel und Klöpfel. Die Inschrift lautet in Grossbuchstaben “AMEN  H.U.E.N.”

In der Hofeinfahrt steht ein bogenförmiger Sandsteintrog mit einem aufrecht stehenden Sandsteinrad darin. Die Achse dieses Sandsteinrades bildet ein Holzstamm, der im Mittelpunkt vom Trogbogen befestigt wurde. Das Sandsteinrad konnte so bequem im bogenförmigen Trog hin und her bewegt werden, um die im Trog eingefüllten Äpfel zu Brei zu zerdrücken. Dieser Brei wurde dann in eine Kelter gefüllt und durch ausdrücken der Apfelsaft gewonnen, der vergoren zum Odenwälder Nationalgetränk, dem Apfelwein wurde. (siehe auch Besichtigungspunkt 14).

Weiterhin sind zwei Kellereingänge in schönen Sandstein-Rundbogen ausgeführt. Das Haus, und besonders die Treppe, legen ein beredes Zeugnis vom handwerklichen Geschick der Erbauer und von der vielseitigen Nutzung des Sandsteines ab.

An der nächsten Straßengabelung müssen wir uns links in die Gartenstrasse halten.

An der darauffolgenden Strassenkreuzung müssen wir uns nochmals links in die Brunnenstrasse halten.

Vor dem Strassenknick nach rechts steht links ein schmuckes Fachwerkhaus.
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19. Pfarrer Bus Wohnhaus

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Hier in diesem besonders schön gestalteten Fachwerkhaus lebte der evangelische Pfarrer Bus. Mit seiner Ehefrau Laurette zeugte er 16 Kinder, 12 Töchter und 4 Söhne, denen er vermutlich verbot zu heiraten. Alle 12 Töchter und 2 der Söhne waren jedenfalls nicht verheiratet. Durch eine umfangreiche Bildung im Elternhaus war ein Teil der Töchter als Erzieherinnen im Ausland tätig. Im Alter kehrten aber allesamt wieder nach Hammelbach zurück und lebten zurückgezogen und sehr bescheiden bis zu Ihrem Tod in diesem Haus. Auf dem Hammelbacher Friedhof sind 14 der 16 Geschwister in einem schlichten Reihengrab bestattet. (siehe auch Besichtichtigungspunkt 10).

Wir knicken mit der Strasse nach rechts ab. Unterwegs haben wir einen schönen Blick auf die katholische Kirche am gegenüberliegenden Hang

Nach einer engen Kehrtwende und einem nachfolgenden Rechtsknick der Strasse kommen wir am Hammelbacher Freibadeingang vorbei.

An der Hauptdurchgangsstrasse angekommen (Litzelbacher Strasse) müssen wir uns nach rechts wenden.

Für den Rundgang müssen wir sogleich die auf der linken Strassenseite beginnenden Rampe hinauf zur katholischen Pfarrkirche gehen. Bitte lesen Sie dazu weiter unter Nr. 20.

Wenn wir die 2. Erweiterung vom Ortsrundgang anhängen wollen, bleiben wir auf der Hauptdurchgangsstrasse bis wir auf der linken Strassenseite eine Holzskulptur erreichen.
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20. Siegfried Standbild

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Der Künstler Guntram Prochaska schuf 1997 mit einer Motorsäge diese monumentale Plastik aus dem Stamm einer Linde die hier an der Strasse nach Litzelbach stand. Sie symbolisiert Siegfrieds Bad im Drachenblut zur Erlangung der Unverletzlichkeit. Nur an der Stelle, auf der ein Blatt vom Lindenbaum auf seine Schulter gefallen war, fehlte die Schutzschicht durch das erhärtete Drachenblut.

Anlass für dieses Kunstwerk war eine Ausstellung seiner Werke auf dem „Trommer Sommer“, einer regelmässigen Kunstveranstaltung.

Wir gehen auf der Strasse noch ca. 150 Meter weiter, bis wir den Waldrand erreichen. Hier erkennen wir gleich das runde Becken mit der Fontaine des Kalten Springbrunnen.
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21. Kalter Springbrunnen

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Er wurde um 1905 durch den Odenwaldklub Hammelbach angeregt und gebaut. Seit 1953 ist er Naturdenkmal. Im Jahre 2001 wurde er durch die Gemeindearbeiter saniert und wieder in den ursprünglichen Zustand gebracht.

Die Fontäne springt allein durch die geodätische Höhe, dem Höhenunterschied zwischen der Quellkammer und der Spritzdüse, bis zu 5 Meter hoch, je nachdem wie viel Wasser die Quelle liefert. Der Kalte Springbrunnen ist der einzige Öko-Springbrunnen im Kreis Bergstrasse, er funktioniert ohne Pumpe und braucht daher auch keine elektrische Energie.

Auch im Sommer ist das Wasser frisch und in der Nähe des Springbrunnens herrscht angenehme Kühle. Mehrere Bänke und die „Ludwig-Münning-Hütte“ bieten Gelegenheit zur Rast. Hier können wir uns ein wenig ausruhen und dem Spiel des Wassers zusehen, bzw. bei einem Regenschauer finden wir Schutz.

Ludwig Münning war ein Hammelbacher, der als 14jähriger seine Heimat verließ und dann später wieder seinen Lebensabend hier verbrachte. Er verbesserte die Springbrunnenanlage und baute die schon seit 1909 bestehende Hütte von Grund her neu auf.

Wir machen eine Kehrtwende und gehen auf der Strasse wieder zurück, bis wir kurz nach dem 3. Strassenabzweig nach rechts, an die Rampe hinauf zur katholischen Kirche gelangen.
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22. Katholische Pfarrkirche

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Von 1911 bis 1914 wurde die jetzige neugotische Katholische Kirche von Hammelbach als Filialkirche von Fürth für die Betreuung der Gläubigen aus den umliegenden Dörfern erbaut. Sie ist der Heiligen Familie und St. Walburga geweiht und wurde von Architekt August Greifzu aus Mainz erbaut. Pfarrer Georg war ab 1925 der erste katholische Hammelbacher Pfarrer.

Der Hochaltar war ursprünglich eine Stiftung der adeligen Familie “Graf von Neipperberg-Lobkowitz” an das Kloster “Der Ewigen Anbetung” in Mainz. Er wurde 1914 vom Kloster hierher gestiftet. Die Holzfiguren stellen dar: Die Heiligen Joachim und Anna, Papst Pius X. und Elisabeth, Maria Goretti und Tarcisius. Die grossen Figuren schnitzte der Bildhauer Müller aus Heppenheim.

Dank der Initiative von Pfarrer Dr. Alfred Maria Bang-Kaub erhielt schon 1949 die Hammelbacher katholische Kirche wieder neue Glocken. Das Rohmaterial stammte von den Kartuschen der Granaten eines gesprengten Munitionszuges im Kreidacher Tunnel bei Waldmichelbach. Das von der Kriegsablieferung verschonte Walburgisglöckchen kam von der Hammelbacher Kirche wieder zu der oberhalb von Weschnitz gelegenen Walburgis-Kapelle zurück.

Der Kirchenmaler Eugen Heller aus Mannheim, der sich vor Kriegsbeginn in Hammelbach niedergelassen hatte, unterstützte Pfarrer Bang-Kaub bei der Renovierung des Gotteshauses. Das Werk gelang den beiden so gut, dass die Hammelbacher Kirche zum Muster für viele andere grosse und kleine Gotteshäuser der Diözese Mainz wurde. Der mit einem feinsinnigen Kunstverständnis und stilistischer Sachkenntnis ausgestattete Pfarrer Dr. Alfred Bang-Kaub wurde zum Landeskonservator der Diözese Mainz ernannt.

Im Mittelalter, Ende 14. / Anfang 15. Jahrhundert, hatte Hammelbach die erste katholische Kirche erhalten, deren Reste heute als Kapellenruine auf dem Friedhofsgelände zu besichtigen sind.

Nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts (1806) zogen wieder vereinzelt katholische Familien in die ehemals pfälzischen Gebiete. Als dadurch die Zahl der katholischen Familien in Hammelbach und Umgebung wieder mehr wurden, entschloss man sich eine neue Kirche zu bauen, da der Verfall von der alten katholischen Kirche schon zu weit fortgeschritten war. Hier, auf ehemaligem Gemeindegelände, fand man den genügend grossen Baugrund.

In den Jahren 2000 bis 2001 wurde das links neben der Kirche stehende katholische Gemeindezentrum errichtet. Das Pfarrhaus steht gegenüber, rechts neben der Kirche.

Zur Fortsetzung unseres Rundganges und unseres Ortsrundganges gehen wir über den Parkplatz vor dem katholischen Gemeindezentrum, an der Hammelbacher Kur-Apotheke vorbei, wieder zur Ortsdurchfahrt hinunter und nähern uns weiter dem Ortszentrum. Bald erreichen wir an einer Gabelung der Strasse, den auf der rechten Seite stehende Sandsteinbrunnen.
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23. Sandsteinbrunnen

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Auf der rechten Seite, direkt vor der Verzweigung der Strasse, sehen wir den “Sandsteinbrunnen”.

An warmen Sommerabenden trifft sich hier oft die Jugend und auch mancher Urlaubsgast verweilt hier ebenfalls gerne einige Minuten.

Der Sandsteinbrunnen ist ein gutes Beispiel für die Gestaltung von Brunnen im neuen Zeitgeist.

Mitten durch Hammelbach verläuft die Grenze zwischen dem kristallinen Granit-Odenwald im Westen und dem Buntsandstein-Odenwald im Osten. Im nahegelegenen Litzelbach sind aus der Blütezeit der Sandsteinverarbeitung im 19. Jahrhundert noch zahlreiche Sandsteinbrüche im Wald versteckt. Es waren bis zu 300 Arbeiter beschäftigt.

Die dort gebrochenen Steine waren wegen ihrer Grossbankigkeit und wegen ihrer feinen Körnung für die Verwendung als Schleifstein sehr begehrt. Die Häuser der Augartenstrasse in Mannheim sind ausschliesslich aus Litzelbacher Sandstein erbaut. Plattenfelsen wurden sogar bis nach Konstantinopel geliefert.

Aus Sandstein wurden Treppensteinen, Tür- und Fenstergewände, Steintröge, Brunnenstöcke, Denkmäler, Skulpturen, Grabsteine, Gewölbe- und Portalbögen, Fensternischen, Bodenbelag und Zierstücke an Prunkbauten gefertigt. Beim Eisenbahnbau von Mörlenbach nach Wahlen wurden 5000 Kubikmeter Hausteine für Brücken, Viadukte und andere Kunstbauten benötigt.

Zur Beendigung unseres Rundganges halten wir uns links und gelangen am Naturpark Parkplatz Ulfenbachtal vorbei wieder zurück zum Parkplatz am Rathaus.

Wenn wir die 3. Erweiterung vom Ortsrundgang anhängen wollen, gehen wir nach dem Erreichen des Marktplatzes die Ortsdurchfahrt (jetzt Weschnitzer Strasse) ca. 150 Meter weiter bis zur Kuppe als höchste Stelle der Durchfahrtsstrasse. Siehe dazu Besichtigungspunkt 22.
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22. Haus auf der Wasserscheide

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Auf dem höchsten Punkt der Ortsdurchfahrt verläuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Neckar. Auch die Wasserscheide zwischen dem Main und dem Neckar verläuft über Hammelbacher Gemarkung. Die auf Hammelbacher Gebiet entspringende Quellen von Weschnitz, Hirschbrunnen und Ulfenbach schicken Ihr Wasser zum Rhein, Main und Neckar.

Hier auf dem höchsten Punkt der Ortsdurchfahrt sehen wir auf der rechten Seite in östlicher Blickrichtung, gegenüber der Einmündung vom Weschnitzquellenweg, auf das mit dem Giebel zur Straßenfront ausgerichtete Wohnhaus Nr. 2, (vom Gassbacher Weg das Haus Nr.2).

Dieses Haus steht genau auf der Wasserscheide zwischen dem Ulfenbach und der Weschnitz und damit auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Neckar. Das auf der nördlichen bzw. linken Seite abfliessende Regenwasser gelangt zur Weschnitz, das auf der südlichen bzw. rechten Seite abfliessende Regenwasser gelangt in den Ulfenbach.
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24. das Haus mit der historischen Markierung der Ortshöhe

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Auf der westlichen Straßenseite, neben der Einmündung vom Weschnitzquellenweg, erkennen wir an der Sandsteinkellerwand des Fachwerkhauses die kreisförmige Höhenmarke von Hammelbach. Sie markiert 438,4 Meter über Meereshöhe.

Hammelbach hat eine sogenannte “Nebelfreie Höhenlage”, das will sagen, dass in Hammelbach selten Nebel ist. Der Nebel, der sich in Niederungen und Tälern bildet, steigt häufig nicht bis in diese Höhenlage. Wolken die bei Regenwetter die Bergspitzen einhüllen hängen häufig nicht so tief. Deshalb sind es in Hammelbach durchschnittlich weniger Nebeltage als in manchem der umliegenden Orte.

Zur Fortsetzung der 3. Erweiterung verlassen wir hier auf dem höchsten Punkt die Hauptstrasse nach links in den Weschnitzquellenweg und erreichen nach wenigen Schritten den Kinderspielplatz.

Zur Erholungsanlage „Weschnitzquelle“ gelangen wir am Kinderspielplatz vorbei den Weschnitzquellenweg weitergehend. Hinter den letzten Häusern ist es nur noch ein geschotterter Weg. Von da ab sind es noch ca. 250 Meter bis auf der linken Seite das Gebäude der Grillhütte sichtbar wird.
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25. Erholungsanlage Weschnitzquelle

Ansicht von rechts

Der in einer Geländemulde liegende, von Bäumen und Hecken umrahmte Teich, das plätschern des Wassers, mehrere Bänke zum Ruhen, das Kneipp-Wassertretbecken, die Grillhütte und der Ausblick auf Hammelbach, haben die Erholungsanlage Weschnitzquelle zu einem beliebten Aufenthalt für Jung und Alt werden lassen.
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25.1 Grillhütte

Grillraum von rechts

Die Grillhütte wurde durch den Verkehrs- und Verschönerungsverein Hammelbach errichtet. Die Gemeinde gab finanzielle Unterstützung und lieferte die Baumstämme aus dem Gemeindewald für die handwerklich aufwendige und gelungene Dachkonstruktion. Durch das Anschmiegen an einen kleinen Hang passt sich die Hütte harmonisch in die Landschaft ein.

Im Grillraum können Tische und Bänke für bis zu 56 Personen freizügig aufgestellt werden. Der Grillrost ist höhenverstellbar und die Theke hat ein Kühlaggregat. Die Damen und Herren WC-Anlagen sind seitlich zugänglich und werden direkt von der Weschnitzquelle mit Wasser versorgt. Die Grillhütte kann für Vereinsfeste, Firmen- und Privatfeierlichkeiten gemietet werden.

Zum Schutz vor Verschmutzung und Beschädigung ist die Grillhütte bei Nichtbenutzung mit einem Gittertor aus Rundbalken verschlossen. Zwischen den Balken ist genügend Platz für einen Blick ins Innere. Unter ihrem ausladenden Dach laden zwei Bänke zum Verweilen ein. Hier finden Sie auch Unterschlupf vor einem Regenschauer.
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25.2 Weschnitzteich

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Direkt bei der Grillhütte liegt der Weschnitzteich. Er wird von der etwas oberhalb gelegenen Weschnitzquelle gespeist. Wasserlilien und Seerosen, Libellen und Fische bewohnen den Teich und seine Ufer. Vom hinteren Ufer aus hat man einen schönen Blick auf den Teich, die Grillhütte, auf Hammelbach und zu dem dahinter liegenden Hammelberg.
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25.3 Kneipp – Wassertretbecken

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Gleich neben dem Teich erkennen wir das rechteckige Kneipp-Wassertretbecken. An warmen Tagen können wir hier unseren Kreislauf und die Lymphdrüsen positiv stimulieren. Bitte beachten Sie dazu unbedingt das Schild mit den erforderlichen Ratschlägen und Hinweisen.
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25.4 Weschnitzquelle

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Ein schmaler Fusspfad, oder weiter hinten mehrere Treppenstufen, zeigen uns die beiden Aufgänge zu dem Granitstein mit der Aufschrift Weschnitzquelle. Er kennzeichnet den Austritt der Quellfassung. Ein Teil des Quellwassers wir auch direkt in das neben dem Teich gelegene Kneipp-Wassertretbecken geleitet. Der Abfluss dieses Becken fliesst ebenfalls in den Weschnitzteich.

Die Weschnitz entspringt hier in 450 Meter über Meeresspiegel, hat ein Gesamtgefälle von 365 Höhenmeter und mündet nach ca. 56 Kilometer bei Biblis in den Rhein. Auf den ersten 5 Kilometern bis Brombach hat die Weschnitz, bei einem mittleren Gefälle von 4,2 Zentimeter je Meter Bachlauf, schon 210 Höhenmeter zurückgelegt. Durch die Weschnitzsenke bis Weinheim ist das mittlere Gefälle 0,5 Zentimeter je Meter und in der Rheinebene bis nach Biblis nur noch 0,06 Zentimeter je Meter Bachlauf. Dies entspricht etwas mehr als einem halben Millimeter auf jeden Meter. Dieses geringe Gefälle in der Rheinebene führte vor der Weschnitzregulierung häufig zu Hochwasser. Die Weschnitz sammelt mit ihren Nebenbächen die von der Wasserscheide nach Westen abfliessenden Wässer.

Hiermit ist die 3. Erweiterung vom Ortsrundgang beendet.

Zur Beendigung unseres Ortsrundganges gehen wir über die Wegstrecke der 3. Erweiterung zurück zu unserem Ausgangpunkt.
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Erstellt am 02.05.2004 von A. Oechler aktualisiert 08.01.2015 M. Müller